veröffentlicht am 23.07.2026
Ein P-Seminar des Hochfranken-Gymnasiums Naila hat einen Dokumentarfilm erstellt, der Zeitzeugen von Flucht, Diktatur und Neuanfang zu Wort kommen lässt. Geschichte steht in Schulbüchern. Doch manchmal sitzt sie direkt gegenüber, erzählt von Angst, Aufbruch und der Hoffnung auf Freiheit.
Zehn Schüler des Hochfranken-Gymnasiums Naila haben diese Begegnungen gesucht. Im P-Seminar Geschichte befragten sie Zeitzeugen zur deutschen Teilung und zur Wendezeit. Das Ergebnis ist ein rund 27-minütiger Dokumentarfilm, der persönliche Erinnerungen festhält, bevor sie verloren gehen.
Zeitzeugenfilm aus Naila: Stimmen zur deutschen Teilung
Vor der Kamera berichten Allgemeinarzt Dr. Wolf-Dieter Nistel, der in Chemnitz praktizierte und heute im Nailaer Ortsteil Hölle lebt, Doris und Lothar Exner, die aus Leipzig stammen und nach der Wende in Lichtenberg heimisch wurden, sowie Sylvia Weiland, die über die Prager Botschaft in den Westen floh. Ihre Berichte geben der historischen Zäsur ein persönliches Gesicht. Es geht um Unsicherheit und Mut, um Abschied und Neubeginn, um Erfahrungen, die über Daten und Fakten hinausreichen. Für ihr Projekt erhielten die Jugendlichen viel Anerkennung. Ihr betreuender Lehrer Martin Brunhuber, der Vorsitzende des Museumsvereins Marco Hader und Erster Bürgermeister Paul-Bernhard Wagner würdigten die Arbeit als wichtigen Beitrag zur regionalen Erinnerungskultur. „Das ist extrem wertvoll, dass dies für Naila, für die Heimat und die Nachwelt manifestiert wird“, betonte Wagner. Der Film soll dauerhaft öffentlich zugänglich bleiben.
In einem Workshop mit der Gedenkstätte Amthordurchgang aus Jena, den der Museumsverein organisiert hatte, lernten die Schüler zunächst, wie man Zeitzeugeninterviews vorbereitet und führt. Die Jugendlichen teilten sich in drei Gruppen auf, suchten ihre Interviewpartner selbst und organisierten die Gespräche eigenständig.
Dabei erkannten sie, dass ein Zeitzeugengespräch mehr verlangt als einen Fragenkatalog. „Ich habe das Interview unterschätzt, denn es ist mehr als nur Fragen stellen. Es bedeutet auch ein Lenken und Führen, das Aufnehmen von Aussagen“, sagt Benjamin Hoffmann.
Die Interviews entstanden im Museum und im Foyer des Forums Naila. Die Frage, wie Menschen die deutsche Teilung und die Wende persönlich erlebt haben, zieht sich wie ein roter Faden durch den Film. Allein das Gespräch mit Dr. Nistel dauerte mehr als zwei Stunden; neun Minuten davon fanden Eingang in die Dokumentation. Die Rohdaten sollen im Museumsarchiv erhalten bleiben.
Besonders eindringlich blieb den Jugendlichen der Appell Dr. Nistels, Demokratie nicht als Selbstverständlichkeit zu begreifen. Man müsse sich für ihren Erhalt einsetzen und bei Wahlen genau überlegen, wo man sein Kreuz setze. Die Botschaft ist klar: Was Menschen in einer Diktatur erlebt haben, darf nicht in Vergessenheit geraten.
Aus einem Gespräch zwischen Dr. Nistel und Marco Hader, noch im alten Museum, entstand ursprünglich die Idee zu den Zeitzeugeninterviews. Die Dokumentation läuft im Museum inzwischen im Wechsel mit einer Dokumentation zur Ballonflucht in Dauerschleife – als Anerkennung für die Arbeit der Jugendlichen und als Einladung an Besucher, Geschichte nicht nur zu betrachten, sondern ihr zuzuhören.
Das Museum Naila ist immer sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.
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