veröffentlicht am 30.07.2026

Originalgetreue Nähmaschine ergänzt die Ausstellung zur Ballonflucht von 1979: Historisches Exponat bereichert das Museum Naila

Das Museum Naila freut sich über einen besonderen Neuzugang: Eine mechanische Gritzner Rundschiff-Nähmaschine vom Typ J aus Mitte der 1920er Jahre ergänzt ab sofort die Ausstellung zur spektakulären Ballonflucht von 1979.

Bei der Maschine handelt es sich um exakt das gleiche Modell, auf dem Günter Wetzel gemeinsam mit den anderen Flüchtlingen die Hülle des Heißluftballons nähte, mit dem ihnen im September 1979 die spektakuläre Flucht aus der DDR gelang. Auch die beiden ersten Ballonhüllen waren auf der gleichen Maschine entstanden. An die fußbetriebene Maschine hat Wetzel im Lauf seiner Arbeiten an den Ballons einen Elektromotor angebaut, um die Arbeit zu erleichtern und zu beschleunigen. 
 

Von der Original-Nähmaschine existiert ein historisches Foto. Die dazugehörige Filmrolle wurde damals von einem in die Fluchtpläne eingeweihten Westverwandten heimlich in die Bundesrepublik geschmuggelt. Die Flüchtlinge wollten sich damit für den Fall absichern, entdeckt zu werden. Wäre das Vorhaben aufgeflogen, hätten die Beteiligten mit langen Haftstrafen rechnen müssen. Das Foto sollte als Beweis für die Fluchtvorbereitungen dienen. Die Hoffnung war, vom Westen als politische Häftlinge wahrgenommen und im Rahmen des Häftlingsfreikaufs aus der DDR freigekauft zu werden. Die Aufnahme ist ebenfalls im Museum Naila zu sehen.

Besonders bemerkenswert: Günter Wetzel selbst hatte über viele Jahre nach einer baugleichen Maschine gesucht. Mit Hilfe des Fotos war es möglich, auch kleine Details abzugleichen. Nun ist es Marco Hader, dem Vorsitzenden des Museumsvereins Naila, nach einiger Recherche gelungen, ein identisches Modell zu finden und für das Museum zu erwerben. Aus dem Odenwald fand es den Weg nach Naila. „Gritzner-Nähmaschinen waren früher sehr verbreitet. Historische Modelle werden auch heute noch häufig angeboten. Aber genau dieses Modell J auf genau diesem Tisch ist eine recht seltene Kombination“, erklärt Marco Hader. Dass nun ausgerechnet dieses seltene Modell seinen Weg nach Naila gefunden hat, verleiht der Ausstellung eine besondere Authentizität. Gemeinsam mit dem historischen Foto der Originalmaschine wird für Besucherinnen und Besucher nachvollziehbar, unter welchen Bedingungen die Ballonhülle entstand – in monatelanger, streng geheimer Arbeit, mit großem handwerklichem Geschick und unter dem ständigen Risiko, entdeckt zu werden.
 

Das Museum Naila dokumentiert die Geschichte der spektakulären Ballonflucht über die innerdeutsche Grenze und bewahrt zahlreiche Zeitzeugnisse und Dokumente. Die neu erworbene Gritzner-Nähmaschine ergänzt die Sammlung um ein weiteres eindrucksvolles Exponat, das die Geschichte einer der außergewöhnlichsten Fluchten während der deutschen Teilung auf anschauliche Weise erzählt.

 

Foto: Günter Wetzel (links) freut sich. Ein baugleiches Modell der Nähmaschine, auf der er die Hülle des Fluchtballons von 1979 nähte, ist jetzt im Museum Naila zu sehen. Marco Hader, Vorsitzender des Museumsvereins, hat die Maschine nach langer Suche für das Museum erworben

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